Österreich : Wie s g wesn ist: Vom Leben auf dem Land

Wie s g wesn ist: Vom Leben auf dem Land

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Mythos Landleben - Glaubt man dem bekannten österreichischen Soziologen Roland Girtler, hat sich das Leben auf dem Land in den letzten 5000 Jahren weniger verändert, als den letzten 50 bis 60. Mit dem vermehrten Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft hat sich die bäuerliche Kultur völlig verändert. In Wie s g wesn is: Vom Leben auf dem Land spürt Inge Friedl diesen Erinnerungen an eine heute schon fast untergegangene Kultur nach. Ergänzt wird dieses Oral History Projekt durch eine Vielzahl von Originalfotos, die von Lesern der Wochenzeitung des Bauernbundes, anlässlich eines Aufrufs bereitgestellt wurden. Im Gespräch mit Zeitzeugen erlaubt Inge Friedl dem Leser einzigartige und authentische Einblicke in die Lebenswelten auf dem Land, anfangs des 20. Jahrhunderts. Dabei erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit, verweigert sich aber auch einer Verklärung der guten alten Zeit, vielmehr bleibt sei bei den Fakten und stellt alles so dar, wie s g wesn is.Damals war der Sonntag noch ein Ruhetag und der Kirchgang gehörte ebenso dazu, wie das darauf folgende Beisammensein mit Tratsch und Klatsch oder auch etwas handfester beim örtlichen Wirt. Das beste Gwandl wurde aus dem Kasten geholt, in dem die meisten dann auch begraben wurden. Die Kinder wuchsen mit Ochs und Pferd wie heute mit PC und Moped. Familien waren größer und jedes einzelne Mitglied fest in die alltägliche harte Arbeit eingebunden. Wer unbedingt fortgehen wollte, durfte das natürlich erst ab 18 und auf die Sitte wurde noch viel gestrenger geachtet, lebten doch neben den Eltern oft auch noch die Großeltern am Hof. War man dann nach einer durchwachten Nacht wieder zu Hause , sah sich nicht selten gezwungen sofort wieder an die Arbeit zu gehen, denn wer s fortgeh ned aushoit, muass daham bleim.Aber und das sollte, wie im Kapitel Die gute alte Zeit? (S. 106) nicht verschwiegen werden Jedes Ding hat zwei Seiten - auch die Erinnerung an vergangene Zeiten ist eine zwiespältige Sache. Einlegerwesen, Dienstbodenelend, Keuschlertum, Kinderarbeit und Armut sind die weniger schönen Seiten eines Rückblicks auf ein Leben am Land, so wie s g wesn is . Die Menschen am Rande der Gesellschaft, die unversorgten Alten, die Kinder der Mägde, der ärmeren Bauern und Keuschler, die nicht abgesicherten Dienstboten - für sie war es allzu oft keine gute alte Zeit .Feste und Bräuche, die weit engere Beziehung zum Tod, sowie die engere Gemeinschaft der Menschen verdecken nur zum Teil, dass soziale Unsicherheit und Armut weit verbreitet waren. Die heute wieder hoch im Kurs stehende Naturheilkunde war in diesem Zusammenhang kein Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, sondern schlicht und einfach oft die einzig leistbare Behandlungsmethode. Knechte und Mägde waren, obschon manchmal als Familienmitglieder behandelt, vor allem billige und entrechtete Arbeitskräfte. Sie durften keinen Hausstand gründen und schlussendlich entschied der Bauer, was mit gegebenenfalls geborenen Dienstbotenkindern zu geschehen habe. In Zeiten wo selbst die Bauernkinder nicht davor sicher waren, selbst an andere Höfe vergeben zu werden, sahen die Kinder der Dienstboten oft noch schwereren Schicksalen entgegen, wie sich ein Altbauer erinnert (S. 42): Die Bauernkinder haben schon kein leichtes Leben gehabt, die Dienstbotenkinder haben es noch ein bissl schwerer gehabt. Sie sind beim Arbeiten natürlich dementsprechend eingespannt worden. So klein hat ein Dienstbotenkind gar nicht sein können, es hat immer etwas zu arbeiten gegeben!Fazit:Sehr lebendige und ausführliche Einblicke in die Lebenswelten auf dem Land, so wie s g wesn is.




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