Österreich : Maria Theresia: Zwischen Thron und Liebe

Maria Theresia: Zwischen Thron und Liebe

EUR 12,95


Niemandem ist weniger zu trauen als den Preußen! - Maria Theresia ist der zweite Roman von Gabriele Cristen, den ich gelesen habe, und meine Rezension dürfte der zu Sisi ziemlich ähneln, denn beide Bücher teilen die selben Stärken und Schwächen.Zu den Stärken zählt eindeutig der Schreibstil, der sich nicht nur angenehm liest, sondern auch gekonnt (und ohne zu übertreiben) die Sprache des 18. Jahrhunderts imitiert. Ebenso wie Sisi ist der Roman aus der Perspektive der titelgebenden Hauptperson geschrieben. Hier ist es also Maria Theresia, Tochter Kaisers Karls VI und später Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, die rückblickend ihre Lebensgeschichte erzählt. Von ihren Kinderjahren bis zu der endgültigen Festigung ihrer Herrschaft als Kaiserin. Sie erinnert sich dabei nicht nur an ihre politischen Triumphe und Niederlagen, sondern besonders auch an ihren privaten und familiären Erlebnisse - gute wie schlechte. Dank der Ich-Perspektive hat man unmittelbaren Zugang zu Maria Theresias Gefühlen und Gedanken, wodurch man sich sehr gut in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen kann. So kann man sich nur schwer von dem Buch lösen, da man immer wissen möchte, wie es weiter geht und was noch auf die Kaiserin zukommt.Aus dieser Ich-Perspektive resultiert aber auch eine Schwäche des Romans. Man weiß nicht, was die anderen Charaktere denken oder fühlen, man ist auf Maria Theresias Sicht beschränkt - und die ist leider etwas eng. Die Autorin konzentriert sich hauptsächlich auf Marias Familienleben, die Feste und Vergnügungen am Hofe und ihre politischen und militärischen Pläne und Beschlüsse, ohne zum Beispiel die Auswirkungen ihrer Staatsreformen, die geschlagenen Schlachten oder die gesellschaftlichen Veränderungen näher zu beschreiben. Der Leser steht zusammen mit der Kaiserin weit über dem gewöhnlichen Leben der normalen Bürger und bewegt sich nur in einem bestimmten Personenkreis. Zusätzlich fangen die Überlegungen und Zweifel der Kaiserin irgendwann an, sich zu wiederholen und gegen Ende schleicht sich ein etwas selbstmitleidiger Ton ein. Überhaupt tendiert die Autorin dazu, ihre Heldin etwas zu positiv darzustellen. Eklatante Fehlentscheidungen, Vetternwirtschaft sowie wenig liebenswerte Züge wie Eifersuchtsanfälle und frömmlerische Moralwächterei werden beschönigend beschrieben und sofort entschuldigt. Und bei aller Bewunderung für Maria Theresia glaube ich kaum, dass ihre Nächstenliebe so weit ging, die von Österreich mitbeschlossene Teilung Polens aufrichtig zu bedauern. Stellenweise rutscht Cristen auch ein bisschen ins Kitschige ab, wenn Reserl und ihr Mann Francois - mon vieux einander anschmachten, aber das hält sich zum Glück in engen Grenzen.Zusammenfassend ist Maria Theresia ein Roman, der sich leicht und unterhaltsam liest und nebenbei auch einiges an geschichtlichen Informationen vermittelt. Man kann sich hervorragend mit der Hauptprotagonistin identifizieren, andererseits beschränken die Ich-Perspektive und die Einseitigkeit der Autorin auch den Horizont des Lesers und gegen Ende kommt es zu Längen. Dennoch schönes Lesefutter für Zwischendurch.

Die Tiefe fehlt - Die Autorin schildert das Leben der einstigen Kaiserin in einer einfachen, gut lesbaren Sprache. Aber es scheint, als würde etwas essentielles fehlen, vor allem die Tiefe der Biographie, da über lange Strecken zu wenig an Gefühlsleben der Protagonisten eingebaut ist. Auch erscheinen die historischen Fakten - obwohl richtig - etwas unverständlich und unzusammenhängend. Christen stellt Maria Theresia anfangs als äußerst eigenwillige, in ihrer Kindheit doch etwas verzogene, Mutter und Ehefrau dar, die auf die Gefühle anderer Menschen kaum Rücksicht nimmt. Dies erschwert dem Leser eine Identifikation mit der Hauptfigur. Erst im letzten Drittel des Buches gelingt es, dieser allen bekannten Herrscherin etwas Sympathie einzuflößen. Zu diesem Zeitpunkt beginnt das Werk auch, etwas spannend zu werden und die Neugierde des Lesers auf den weiteren Verlauf Maria Theresias Leben zu erwecken.Eine von der Thematik her sehr gute Biographie, jedoch nur für Leser geeignet, die erstens etwas Geduld aufbringen können und zweitens keine allzu detaillierten Beschreibungen sowohl historischer als auch persönlicher Fakten erwarten.

Unterhaltsam und interessant! - Von Gabriele Marie Cristen habe ich bereits eine andere Roman-Biographie gelesen. Und genauso wie damals bei der Biographie über Sissi, bin ich hier positiv überrascht worden. Der Verlag bringt die Romane der Autorin auf der einen Seite sehr aufwendig heraus (das Hardcover steckt in einem lackierten Schuber), auf der anderen Seite wird aber auch versucht eine bestimmte Kundenklientel anzusprechen. Das Buch trägt nämlich den Untertitel Zwischen Thron und Liebe, was für mich jetzt erstmal kitschig klingt. Eigentlich erwartet man so ein verklärtes Bild einer Kaiserin und ist dann um so überraschter, dass die Autorin genau dieses Klischee nicht bedient. Zwar erzählt sie auch eine romantische Geschichte, aber diese ist nie Selbstzweck. Viel mehr bietet sie ein facettenreiches Bild einer faszinierenden und erfolgreichen Frau.Ich hoffe, die Autorin wird noch weitere Roman-Biographien schreiben. Ich fühle mich bei ihr immer bestens unterhalten und gleichzeitig gut informiert.




Maria Theresia: Zwischen Thron und Liebe