Österreich : Maria Theresia: Die große Habsburgerin

Maria Theresia: Die große Habsburgerin

EUR 10,00


Lebendige Geschichte in Zusammenhängen - sehr empfehlenswert - Nicht nur allein die politische, auch die gesellschaftliche Geschichte beschreibt Herre hier sehr anschaulich: Wie Maria Theresia bei ihrer Machtübernahme (wobei anfangs von Macht nicht viel Rede sein konnte) dastand, wie desolat der österr. Beamtenstaat war (Vergleiche mit heute drängen sich auf), wie verfahren die Situation, wie inkompetent der gesamte Staatsapparat (siehe erste Parenthese!), welche Motivation andererseits Friedrich von Preußen hatte, seinen Krieg zu beginnen. Gut fand ich, dass die politischen Machthaber und deren Einflüsterer in ihrer Persönlichkeit dargestellt werden und so ihre Handlungsweise und deren positiver oder negativer Einfluß auf den Verlauf der Geschichte erklärbar und verstehbar wird. Die diversen Reformen (Militär, Verwaltung, Wirtschaft) werden in ihrer Notwendigkeit erklärt, die verschiedenen Lösungsansätze und deren Protagonisten einander gegenübergestellt und deren Motivationen erklärt. So entsteht ein lebendiges Bild, das nicht wie bisher verstaubt historisch, sondern wie aus dem Leben gegriffen erscheint. Bei aller Sympathie für die gelungenen Reformen der Kaiserin bleiben einige schwere charakterliche Mängel an ihr haften: der schlimmste ist ihre alles durchdringende Bigotterie, ihre verabscheuungswürdige Frömmelei, die erstens gute Reformansätze auf halbem Weg verhungern läßt (sie läßt zwar Waisenhäuser bauen, aber keine Häuser für Findelkinger, weil damit der ehelichen Untreue Vorschub geleistet würde), dieser tiefe Katholizismus hatte Österreich schon lange vorher zum europäischen Schlußlicht werden lassen, was Aufklärung, individuelle Freiheit, Bauernbefreiung (nur die allerersten Ansätze, versteht sich), Fortschritt und Wissenschaft angeht. Ganz anders dazu Friedrich von Preußen, der ihr in vielen Dingen ein gutes Vorbild war. Zum anderen scheint Maria Theresia recht eigensinnig gewesen zu sein, was Musik und Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und auch das Militär angeht: ohne tiefergehende Kenntnis der Materie scheint sich sich in alles und jedes eingemischt zu haben, so erkannte sie nicht Mozarts Genie und hielt ihn für einen vagabundierenden Musikus. Ihre Vorliebe für das Chinesische Geschnörksel (ohne irgendeine Kenntnis der chinesischen Lebensweise) deckt sich gut mit dem Faible fürs Rokoko.Man muss ihr aber zugute halten, dass sie die Medizin gefördert hat (mit Van Swieten, dem wir anscheinend sehr viel verdanken, so auch die Erste Wiener Medizinische Schule), dass sie auch die Macht der Kirche versucht hat zu beschneiden, den Klerus gerechterweise besteuert hat und den Run auf die Klöster gebremst hat (aus pragmatischen Gründen: dort sollen sich Menschen angesammelt haben, die den Drang zur Arbeitsvermeidung verspürten), so gesehen ist sie eine recht ambivalente Persönlichkeit gewesen, sparsam und pragmatisch einerseits, andererseits aber doch auch verschwenderisch (wenn man sich Schönbrunn ansieht) und abgehoben (ihre unnützen Theaterbauten).In Herres Buch kommen auch private Lebensumständer Maria Theresias zur Sprache: das Leben am Hof oder die Erziehung ihrer Kinder. Interessant ist das Kapitel über den Siebenjährigen Krieg: wäre der anders ausgegangen, wie würde Europa heute aussehen? Auch dieser lange Konflikt hält unserer Zeit den Spiegel vor: Das verhältnismäßig kleine Preußen beginnt einen großen, einen europäischen Krieg und hält (gemeinsam mit England) den vereinigten Mächten Frankreich, Österreich, Russland und einigen kleineren Mächten stand. Und warum? Weil diese durch Betonung ihrer nationalen Partikular-Interessen das übergeordnete Ziel (die Bekämpfung des Aggressors Friedrich - natürlich von meiner Seite ganz wertfrei - ich schätze Friedrich als einen aufgeklärten Monarchen) verfehlt haben: die EU läßt grüßen! Ein wunderbar geschriebenes Buch, wie eine Geschichte erzählt, daher flüssig und angenehm zu lesen und dabei trotzdem in die Tiefe gehend. Herre versteht es meisterhaft, Entwicklungen und Zusammenhänge zu schildern und verständlich zu machen - es ist also keine staubige Historie, im Gegenteil - man bekommt fast das Gefühl, selber dabeigewesen zu sein!

Gut - Ich finde es richtig, dass der Autor Maria Theresias Lebensgeschichte in Themenkomplexe gegliedert hat - es wäre sonst zu verworren gewesen, immerhin ist viel zu erklären - Thronfolge, Ehe, 16 Kinder, Kriege und Reformen -, und der Leser (zumindest ein Laie, wie ich es bin) wuerde sicher den Faden verlieren.Es ist schön, ueber Maria Theresias Kindheit zu lesen - tragisch, wie die Eltern nach 8 Jahren kinderloser Ehe endlich einen Sohn bekommen und dieser mit nur 8 Monaten stirbt! Danach kamen nur noch Töchter... Dass das Geschlecht des Kindes vom Mann bestimmt wird, konnte Kaiser Karl VI. (der Vater) nicht wissen, dennoch hat er anders als andere Ehemänner dieser Zeit seine Enttäuschung NICHT an Frau und Kindern ausgelassen, sondern war offenbar ein recht guter Ehemann und Vater.Leider verliert der Autor kein Wort ueber den Tod von Maria Theresias Mutter - sie verschwindet nach Maria Theresias Geburt fast völlig von der Bildfläche. Allerdings stellt der Autor selbst fest, M. T. habe kein inniges Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt. Ihren Tod (1750) sollte man aber dennoch erwähnen, finde ich.Das Bildmaterial ist sehr schön, vor allem zwei Bilder, die M. T. als Kind und als die - sehr schöne - junge Frau zeigen, die sie VOR den ewigen Schwangerschaften war.Die Zitate sind interessant, wenn auch schwer zu lesen - sie wurden nämlich nicht an die heutige Orthographie angepasst, sondern originalgetreu zitiert - so erfährt man etwa, dass Maria Theresias Lunge nicht mehr wuerckte usw. So erhält man einen Eindruck vom DEutsch der feinen Herrschaften, die meistens Französisch wesentlich besser konnten als ihre eigene Muttersprache - oder schlimmstenfalls keines von beiden richtig...Franz Herre passiert das gleiche wie allen Historikern, er schreibt von anderen ab - und uebernimmt somit auch deren Fehler. Er glaubt z. B., dass Marie Antoinettes Ehe erst nach 7 Jahren vollzogen wurde, obwohl belegt ist, dass dies schon nach 3 Jahren Ehe passierte... Dann schreibt er noch, marie Antoinettes erster Sohn sei im März 1785 geboren - falsch, das war der zweite Sohn, der erste wurde geboren im Oktober 1781.Herre stellt zu Recht fest, dass Erzherzogin Marie Christine Maria Theresias Lieblingskind war - allerdings klingt es so, als sei sie dies erst im Laufe der Jahre geworden, womöglich erst nach den ratschlägen ihrer Schwägerin Isabella, die ein scharfes psychologisches Gespuer hatte und ihre Umgebung gut durchschaute. Es ist aber belegt, dass Marie Christine von Geburt an der Liebling ihrer Mutter war, wahrscheinlich deshalb, weil sie an Maria Theresias eigenem Geburtstag geboren wurde.Ein Wunder, dass Maria Theresia soviel geschafft hat - 40 Jahre Regierung sind eine lange Zeit, aber man darf nicht vergessen, dass sie die ersten 20 Jahre fast ununterbrochen im Kindbett verbracht hat (16 Kinder in 19 Jahren!).Apropos Kinder, M. T. war stolz auf ihre Kinderschar, aber sie gesteht dennoch, dass sie hofft, das 10. Kind möge das letzte sein, weil das kinderkriegen mich schwächt und altern lässt. Hier sieht man wirklich den Menschen Maria Theresia, nicht die Herrscherin und Politikerin. Das ist das Beste an dem Buch: Die Hauptfigur wird lebendig! Man erfährt, wie verliebt sie in ihren Mann war, dass sie Freude an Handarbeiten hatte und dass sie - was ich sehr sympathisch fand - NICHT gern gejagt hat, aus Mitleid mit den Tieren.Franz Herre hat uebrigens einen ganz eigenen Schreibstil - er verwendet oft Gegenueberstellungen wie z. B. Die Schwiegereltern waren zufrieden, und die Schwiegerkinder mussten zufrieden sein. Und: Am liebsten spielte sie (Marie Antoinette) heitere Theaterrollen, nicht ahnend, dass ihr eine traurige Rolle im Drama der Revolution bevorstand. Dieser Stil ist GELEGENTLICH unterhaltsam, auf die Dauer aber etwas ermuedend.Eigentlich ein gutes Buch, leider zu viele kleine Fehler - schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, es sollte dreieinhalb geben! Daher: 4 Sterne, denn: Im Zweifel fuer den Angeklagten!

ausführliche und detailierte Beschreibung einer tollen Frau - Franz Herre ist sicher kein Biograf, der in einem leichten, flüssigen Romanstil schreibt.Er geht politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr ins Detail. Man erhält einen sehr genauen Eindruck über die Zeit Maria Theresias, ihre Berater, Gegner, ihr Volk und die Gesellschaft.Die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten werden von Herre auf sehr hohem Niveau beschrieben, meiner Meinung nach bleibt die Person Maria Theresia und private Einblicke etwas auf der Strecke.Dieses Buch gibt einen sehr guten Gesamteindruck über die große Herrscherin und ihr Umfeld, es ist jedoch nicht für Leser geeignet, die ausschließlich den Stil von Brigitte Hamann oder Thea Leitner bevorzugen.

Eigentlich gut, aber... - Franz Herres Biographie über Maria Theresia ist unkompliziert und flüssig geschrieben. Anders als viele andere wissenschaftliche Werke wirft er nicht mit Fachtermini um sich, die einen Themeneinsteiger meist verwirren und abschrecken. Auch beschränkt er sich in seinen Ausführungen auf die wichtigsten Informationen, was das Buch ideal für Einsteiger macht. Wieso ich trotzdem nur drei Sterne vergebe hat einen einfachen Grund. Franz Herre begeht den schlimmsten Fehler den ein Autor eines wissenschaftlichen Werkes machen kann: Subjektivität. Besonders deutlich wird das im Falle von Friedrich II. Seine Abneigung diesem König gegenüber wird die meiste Zeit über mehr als deutlich. So etwas darf einfach nicht sein. Gans objektiv kann wohl niemand sein, aber man sollte sich wenigsten darum bemühen.

Sehr veranschaulichende Biografie, gehalten in Romanform - Ich habe mir dieses Buch vor einieger Zeit hier bei Amazon bestellt.Ich musste eine Facharbeit über Maria Theresia und die Pragmatische Sanktion verfassen und ich kann nur sagen, dass mir dieses Buch eine große Hilfe dabei war.Es beschreibt haargenau wie das Leben Maria THeresias verlief, es beschreibt von der Geburt an bis zu ihrem Tode, was in ihrem Leben passierte und gibt zusätzlich Informationen über die zwei Schlesischen und den Siebenjährigen Krieg. Außerdem ist das Buch in verschiedene Kapitel gegliedert, die nicht nur die einzelnen Ereignisse sondern auch die einzelnen Epochen wie Barock und Rokoko abgrenzen. Trotz all dieser Informationen die das Buch wiedergibt, ist es nicht monoton geschrieben, das Buch ist zum Teil sehr spannen und interessant, was ich von so einem Buch anfangs nicht erwartet hatte. Normalerweise befasse ich mich nicht mit solcher Literatur, aber ich muss sagen, dass dieses Buch mir nicht nur bei meiner Facharbeit geholfen hat, sondern mir auch neue Gesichtspunkte für mein eigenes Leben vermittelt hat. Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen.




Maria Theresia: Die große Habsburgerin