
Sachlich - Es gibt leider nur wenige richtige Maria Stuart-Biographien, meistens sind es eher historische Romane - aber Ducheins Werk ist eine echte Biographie. Ich war entsetzt zu lesen, dass Stefan Zweigs zwar brilliant geschriebenes, aber historisch bedeutungsloses Werk angeblich das einzige ist, was man auf Französisch ueber Maruia Stuart lesen kann! Der gute Mann war doch kein Historiker!Michel Ducheins Werk ist genau recherchiert und trotz des sachlichen Tons gut lesbar. Naiv fand ich nur seinen Kommentar zu der Tatsache, dass Amias Paulet (Marias letzter Wächter in England) nicht bereit war, seine Gefangene heimlich umzubringen - das war nämlich Elisabeths Idee, um sich die Hinrichtung ihrer Cousine zu ersparen. Duchein: Er (Paulet) war kein Mörder! Du lieber Himmel! Paulets Ablehnung der Mordtat ist wohl nicht in Gewissensbissen zu suchen, sondern darin, dass ihm klar war, dass man ihn nach dem Mord als Suendenbock geopfert hätte - das wäre mit Sicherheit passiert.Mir gefällt dieses Buch - aber an Antonia Frasers Maria Stuart-Biographie reicht bisher kein anderes Werk ueber die Schottenkönigign heran.
Für Interessierte lohnenswert - Dem Autor ist es durchaus gelungen, eine stimmige, flüssig zu lesende Biografie zu erstellen, die weder zu wissenschaftlich noch zu banal gerät. Das ist ja oft das Problem: Entweder schlägt zu sehr der Historiker durch, der sich über das Auswerten der verschiedensten Quellen in der Aufreihung von Fakten und Daten verzettelt, oder eine Biografie mutiert zur Glorifizierung einer Persönlichkeit und rutscht in Kitsch ab. Michel Duchein ist der Spagat sehr gut gelungen. Manchem Leser mögen die vielen Verweise und mehrfachen Namenserklärungen lästig erscheinen, mir jedoch ist gerade dies positiv aufgefallen, da man so die Personen wieder erkennt und die Zusammenhänge immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Man merkt zwar, dass Duchein Maria Stuart durchaus eher wohlgesonnen ist als der Kontrahentin Elisabeth I. von England, aber er ist dennoch bemüht, immer wieder alle Aspekte zu beleuchten, und betont für meinen Geschmack fast etwas zu oft, dass der Historiker sich von subjektiver Betrachtung fern halten sollte. Wenn man sich ein wenig häufiger mit Biografien oder Büchern dieser Art beschäftigt, ist man auch ohne diese Hinweise in der Lage, etwaige Parteinahme oder nicht ganz objektive Betrachtungen zu erkennen und als solche zu bewerten. Wer sich für Maria Stuart und die politischen Begebenheiten ihrer Zeit interessiert, ist mit diesem Buch sehr gut bedient.
Mit Vorsicht zu genießen - Da ich mich bereits seit längerer Zeit mit der Person der Maria Stuart befasse (mit besonderem Augenmerk auf die Beziehung zwischen ihr und ihrer nicht minder bekannten Cousine Elisabeth I) fiel mir des öfteren auf, dass der Autor ein wenig dazu neigt Partei zu ergreifen für die Königin von Schottland. Er macht dies oft auf unterschwellige Weise, die man vielleicht gar nicht zwischen den Zeilen herauszulesen vermag, wenn man sich nicht eingehender mit dem Thema beschäftigt. Auf Seite 356 in der gebundenen Ausgabe hat sich zudem ein Druckfehler eingeschlichen: Der Herzog von Norfolk wurde am 16. Jänner des Jahres 1572 zum Tode verurteilt und nicht 1570. Letztendlich ist das Buch durchaus lesenswert - doch mit äußerster Vosicht zu genießen! Meinen Anspruch auf neutrale Haltung und möglichst objektive Schilderung erfüllt es eher nicht... was letzten Endes auch Geschmackssache ist.
Eine differenzierte Biographie über die schottische Königin. - Als ich das Buch Mitte 1998 kaufte, war ich noch im Schottland-Rausch durch den gerade erlebten Urlaub. Da mich die Person Maria Stuarts schon seit der Schulzeit faszinierte, hatte ich hohe Erwartungen an eine Biographie. Michel Duchein zeichnet ein Bild von der historischen Persönlichkeit M. Stuarts, ohne die Privatperson in den Hintergrund treten zu lassen. Aus der Fülle der damaligen diplomatischen Post zwischen den Königshäusern rekonstruiert er ein sehr differenziertes, facettenreiches Bild von Maria Stuart und setzt sie in den internationalen Kontext des 16. Jhdts. Dabei erfährt der Leser aufschlußreiche politische Hintergründe über die damaligen Mächte in Europa - England, Frankreich, Spanien -und das Intrigenspiel der Herrscher und Herrscherinnen. Duchein vermeidet es geschickt, sich auf die Seite derer zu schlagen, die Maria Stuart lediglich im Glanz einer Märtyrerin erstrahlen lassen wollen. Er zieht Zeitzeugen verschiedener Lager heran, um der vielschichtigen und wechselhaften Persönlichkeit M. Stuarts gerecht zu werden. Alles in allem eine sehr lesenswerte UND unterhaltsame Biographie, die durch den feinen Humor zwischen den Zeilen im Gedächtnis bleibt.