
Empfehlenswert, aber mit leichter Einschränkung - Thea Leiter schreibt wie üblich gut recherchierte und ansprechend geschriebene Biografien, die für die beschriebenen historischen Personen Interesse erwecken und oft auch mitreißen. Ich muss mich aber leider den anderen Rezensenten anschließen: diese gute Dame hat mitunter Anwandlungen von Gutmenschentum, die manchmal schwer zu ertragen sind. Ich zitiere hierzu aus dem ersten Kapitel, Sohn einer Komödiantin:Es waren offenbar weder die Jugend noch die hervorstechenden äußerlichen Reize der Maria Calderón, die den damals vierundzwanzigjährigen König fesselten, als vielmehr eine kleine, interessante anatomische Anomalie der Künstlerin, auf die man den schon fast liebesüberdrüssigen Lebemann aufmerksam machte. Taktvoll schreibt Thea Leiter nicht weiter dazu, um welche Anomalie es sich eigentlich gehandelt haben soll.Maria Annas Kritiker behaupteten und behaupten noch immer, die Königin habe ihren Sohn aus blanker Herrschsucht auf der Stufe eines Kleinkindes gehalten. Mit unserem heutigen psychologisch geschulten Denken erkennen wir jedoch, dass diese ständige Gängelung und Bevormundung aus übergroßer Fürsorge, aus quälender Angst um dieses armselige Bündel Leben, aus schmerzvoller Mutterliebe entsprang. Großer Gott. Man fragt sich, wie es Frau Leitner wohl gefallen hätte, vierzehn Jahre ihres Lebens als Entmündigte zuzubringen! Interessanterweise erfährt man zum Schluss des Kapitels auch nichts weiter über das Schicksal des besagten Prinzen (der spätere König Karl II. von Spanien). Sicher ist sein Halbbruder, Don Juan José da Austria, die Hauptperson dieser Episode, aber normalerweise verfolgt man das Schicksal einer wichtigen Nebenfigur doch bis zum Ende und erwähnt es wenigstens kurz, damit der Leser nicht quasi in der Luft hängen bleibt, nachdem die Hauptperson verstorben ist.Abgesehen hiervon hat Thea Leitner interessante Persönlichkeiten für ihre Biografien ausgesucht (z.B. Marie Therèse, die einzige Tochter der Marie Antoinette, die die Revolution überlebte) und ihre Schicksale eingehend und mitfühlend beschrieben. Also ein durchaus empfehlenswertes Buch, wenn man nicht zu den Lesern gehört, die sich bei zuviel Gutmenschentum am liebsten vor Verzweiflung den Kopf irgendwo einschlagen möchten...
Endlich - Endlich ein Werk über die Habsburgersprößlinge, die von der Geschichtsschreibung bisher mehr oder weniger übergangen wurden. Ich habe jahrelang etwas über Marie Antoinettes Tochter, die einzige der Familie, die die Revolution überlebt hat, gesucht und nie gefunden, und war froh, nun endlich etwas über sie zu lesen. Einziger Kritikpunkt: Marie Antoinette war sicher eine gute Mutter, aber der Vergleich mit Maria Theresia (Sie hat sich um ihre Kinder mehr bemüht als Maria Theresia um die ihren) ist völlig daneben. Marie Antoinette hatte 4 Kinder, ihre Mutter dagegen 16 - und außerdem war Maria Theresia mit der Regierung eines Riesenreiches beschäftigt! Der Vergleich ist schlicht und einfach unfair.Ja, ich wüßte auch gern, wer diese unsympathische Habsburgerin war, die Thea Leitner so wenig leiden konnte, daß sie sie nicht in ihr Buch aufgenommen hat. Sie hätte zumindest den Namen nennen können. Das Buch Habsburgs schwarze Schafe, das Thea Leitner nicht schreiben wollte, hat mittlerweile jemand anders geschrieben, nämlich Christian Dickinger.
Habsburger - Zitat: Im Vorwort schrieb Frau Leitner, sie habe lange ueber eine bestimmte Person des Hauses Habsburg recherchiert. Da bei der Recherche sich allerdings offenbarte, dass die nicht genannte Person allerdings alles andere als lieb, nett und suess war, stoppte Frau Leitner die Recherche und die Kurzbiographie dieser geheimnisvollen Person auch. Weil sie nichts Negatives schreiben wollte.Da bin ich auch neugierig darauf, wer wohl damit gemeint ist. Aus den Hinweisen werde ich nicht schlau. Ich habe auch Habsburgs verkaufte Töchter, gemeinsam mit diesem Buch hier im Sammelband, gelesen. Trotzdem kann ich - siehe wegen dem Rätsel oben - nur 4 Sterne für beide Bücher geben.
Geschichte in die man eintaucht - Thea Leitner schafft es immer das Interesse zu wecken. Fesselnd und mit Humor schreibt sie über die vergessenen Persönlichkeiten des berühmten Herschergeschlechts. Da fällt es nicht schwer sich in die Zeit und die Ereignisse hinein versetzt zu fühlen. Dies ist kein trockenes Geschichtsbuch, sondern es erzählt sehr lebendig Lebens- und Zeitgeschichte!
Suess - Suesser - Am Suessesten - Thea Leitner hat sich ganz dem Hause Habsburg verschrieben. Ihre Buecher sind durchweg interessant und widmen sich wie im vorliegenden Buch weniger bis gar nicht bekannten Personen.Ich besitze schon einige Buecher von Frau Leitner. Was mich jedoch mittlerweile stoert und nervt ist diese Zuckerbaeckermentalitaet! Im Vorwort schrieb Frau Leitner, sie habe lange ueber eine bestimmte Person des Hauses Habsburg recherchiert. Da bei der Recherche sich allerdings offenbarte, dass die nicht genannte Person allerdings alles andere als lieb, nett und suess war, stoppte Frau Leitner die Recherche und die Kurzbiographie dieser geheimnisvollen Person auch. Weil sie nichts Negatives schreiben wollte.Alle anderen Habsburgerpersonen in diesem Buch sind so lieb, nett, selbstlos, grossherzig, guetig, intelligent, talentiert ... das ist nicht mehr zum Aushalten! Natuerlich gibts in jeder Familie gute und schlechte Menschen! Aber das ist das Leben! Dadurch dass man gewisse Teile ausspart, wird es nicht besser! Das Verhalten Frau Leitners ist in meinen Augen, ein bewusstes Verschliessen der Augen vor der Realitaet. Es war eben nicht alles rosig und suess! Und das Leben ist kein herziger Sissifilm!