Österreich : Familie Habsburg: 1273 bis 1918. Glanz und Elend des Herrscherhauses

Familie Habsburg: 1273 bis 1918. Glanz und Elend des Herrscherhauses

EUR 11,95


Wunderbarer Wälzer - Ein wunderbarer Wälzer, luftig, lesbar, unterhaltsam blättert er 650 Jahre europäischer Geschichte auf.Zuvor muss man allerdings das ärgerlich herablassende Vorwort von Kurt Eigl überstanden haben. Er klassifiziert das Unternehmen als: ... eine in Habsburg verliebte Amerikanerin (mein Gott, ausgerechnet eine Amerikanerin!) schreibt einen Familienroman von Format. Der Verlag täte gut daran, das Vorwort bei der nächsten Auflage auszutauschen, sofern er auch bildungsnähere Schichten ansprechen will.Denn es ist ein bisschen mehr als das und verdient durchaus, unter die Leute zu kommen. Keine strohtrockene Forschungsarbeit, aber eine gut recherchierte und gut belegte Binnenansicht der Habsburger von ihren bescheidenen Anfängen im heute Schweizerischen Aargau über die Welt Karls V., in dessen Reich die Sonne nicht untergeht bis zum Finale und der Umwertung aller Werte mit dem 1. Weltkrieg.

Guter Mix - Hier ist der Mix aus geschichtlichen Daten und Fakten auf der einen, amüsanten Klatsch- und Tratschgeschichten auf der anderen Seite wirklich gelungen - Information und Unterhaltung wurden geschickt miteinander verschmolzen, so dass keiner der beiden Aspekte zu kurz kommt. Es ist, als lese man einen Roman, der gleichzeitig noch lehrreich ist. Da ich mich schon seit Längerem für die Habsburger interessiere, waren mir die meisten Fakten nicht neu, aber in diesem Buch bekommen die (weiblichen wie männlichen) Herrscher endlich einmal Gesichter, Charakterzüge und man verbindet Macken, Vorlieben und gewisse spezielle Eigenarten mit jedem Einzelnen, was sich im Übrigen auch besser einprägt als die trockene Auflistung der Herrscherjahre, Kriegserfolge und Lebensdauer. So bleibt Geschichte haften. Und einen gewissen Humor entbehrt der Schreibstil auch nicht.

Rasanter Ritt durch die Geschichte der Habsburger - ... Als er [König Rudolf - d. Verf.] einmal eine schmale Bergstraße entlangritt, begegnete er einem mürrischen Reiter, der keinen Fußbreit ausweichen wollte. Rudolf unverschämt anstarrend, fragte er herausfordernd: »Also, wohin soll ich denn, um dieser gewaltigen Riesennase Platz zu machen?« Rudolf lächelte freundlich, drückte seine Nase mit einem Finger seitwärts und sagte: »Nicht wahr, nun geht s?« ...Staubtrocken ist eine Spezifikation, die man oft mit dem Fach Geschichte in Verbindung bringt. Doch sollte man erwähnen, dass gerade dieses Fach ist, welches reich an Geschichten und Anekdoten ist. Wie belebt, vergnüglich und interessant Geschichte sein kann, davon sollte man sich mit diesem Buch überzeugen.Kein anderes Herrschergeschlecht wie das der Habsburger hat Europa und auch die Welt über ein so langen Zeitraum geprägt. Langatmig könnte also dieser Rückblick sein. Doch die Amerikanerin Dorothy Gies McGuigan verstand es eine „Chronik zu schreiben, die man zu lesen anfängt und dann nicht mehr aufhören kann. Auf knapp 600 Seiten schafft sie einen Ritt durch die Geschichte, den man sich nicht amüsanter vorstellen kann. Immer wieder werden Familieninterna eingestreut, die man bei jeder nüchternen Betrachtung vergeblich suchen würde. Auch wenn die politischen Geschehen oft hinter den familiären Aspekten zurückstehen, ist ihr einfach ein lebendiges Portrait dieses Herrschergeschlechts gelungen, welches auch beim zweiten Mal lesen immer noch Spaß macht.Sehr lobenswert ist das Personenregister und die sehr ausführlichen Anmerkungen. Kritisch angemerkt werden muss aber die Sparsamkeit bei Bildern und Abbildungen, doch musste hier wohl wegen der Wirtschaftlichkeit bis auf ein Dutzend darauf verzichtet werden. Alles in allem sehr empfehlenswert.

Geschichte eines Herrscherhauses - menschlich gesehen - Wer haette gedacht, dass sie irgendwo auch ganz normale Menschen waren? Wer sich an die Habsburger nur aus langvergangenen Geschichtstunden erinnert, sieht sich hier eines besseren belehrt. Dorothy McGuigan kombiniert in hervorragender Weise Geschichte mit Unterhaltung. Praktisch nebenher schnappt der Leser ein paar Herrschernamen und Daten auf, aber der besondere Reiz dieses Buches liegt darin, dass es einem die Menschen naeherbringt, die sich hinter all den Kaisernamen verbergen: Kinderhochzeiten - der Politik wegen, und per Stellvertreter durch Entbloessen eines Beines vollzogen. Wie oft trotz dieser Arrangements doch alles schief ging - die Kindersterblichkeit war hoch. Schreckliche Stiefmuetter, wahnsinnige Koeniginnen, Selbstmord aus Liebe - es koennte ein Roman sein. Spannend, leserfreundlich und informativ - insgesamt sehr zu empfehlen.




Familie Habsburg: 1273 bis 1918. Glanz und Elend des Herrscherhauses