
Wichtige Quelle - Habe zuerst Brigitte Hamanns Elisabeth-Biographie gelesen und dabei festgestellt, dass in den letzten Kapiteln die Quellenangaben fast noch aus Marie Valeries Tagebuechern stammen - weil die Kaiserin sich immer mehr zurueckgezogen hatte, war ihre Lieblingstochter einer der wenigen Menschen, die Elisabeth in ihren letzten Jahren noch kannten. Ein naheliegender Gedanke, die Tagebuchnotizen zu veröffentlichen. Marie Valerie war sich sicher bewusst, dass einmal Historiker ihre Aufzeichnungen lesen wuerden, dennoch war sie ehrlich, wenn sie z. B. die schlechte Ehe ihrer Eltern und die Depressionen ihrer Mutter schildert.Hätte mir auch gewuenscht, dass das Tagebuch bis 1924 (Valeries Todesjahr) veröffentlicht werden wuerde, daher ein Stern Abzug.Ich hätte den Vorschlag, dass ein Historiker das Tagebuch von Marie Festetics veröffentlicht, Elisabeths ungarischer Hofdame - ihre Aufzeichnungen, die sich in den Biographien von Hamann und Corti finden, sind so treffend und witzig und zeugen von einer scharfsinnigen Menschenkennerin.
Tagebuch - Es ist fließend geschrieben, ich kann mir das Leben am Kaiserhof gut vorstellen. 2 Punkte möchte ich auf diesem Weg kritisieren: - Die Fußnoten, welche sich immer wieder auf den Seiten häufen irgendwann hab ich kapiert, wer nun Carolina (*1869-19??) ist. - Und dass das Tagebuch nicht ganz - also bis 1924 - veröffentlich worden ist. Marie Valerie hatte ja noch mehr Kinder, als die bisher erwähnten. Wie ging sie z.B. mit Maria Theresia Mädi (1867-1905) und Amelies s Tod (1865-1912) um ? Was empfand sie beim Tod ihres Vaters etc. ?Es wäre schön gewesen, auch das zu veröffentlichen. Liebe Grüße von Andrea (22), die sich sehr für die Habsburger interessiert
Ein kaiserliches Tagebuch der Belle Epoque - Marie Valérie, jüngstes Kind von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und dessen legendären Gattin Elisabeth, deren absultes Lieblingskind sie war, schrieb von Kindesalter an ein Tagebuch. Als Kind beschreibt sie ihre Unterrichsstunden und Familienzusammenkünfte, als Backfisch erfahren wir von Valéries ersten Bällen und Schwärmereien, 1889 schließlich vom Selbstmord des Kronprinzen Rudolf, Marie Valéries einzigen Btruder, 1890 beschreibt sie ihre Hochzeit mit Erzherzog Franz Salvator und 1898 die Ermordung ihrer Mutter durch die Mörderhand in Genf.Wenn man nähere Einblicke in das Familienleben der Habsburger nehmen möchte, ist dieses Buch auf jedenfall ein absolutes Muss, besonders bezüglich der durchaus kritischen Beobachtungen der eigenen Mutter, der Kaiserin Elisabeth alias Sisi, und des Vaters, Kaiser Franz Joseph.Der einzige wirkliche Vermutstropfen ist meiner Meinung nach, dass nur die Tagebücher bis 1899 veröffentlicht würden - gerne würde man noch erfahren, was Marie Valérie zu den 2 1/2 Jahrzehnten ihres restlichen Lebens zu sagen hatte!
Lesenswert! - Für alle Sisi - Interessierten ist dieses Tagebuch der Lieblingstochter Kaiserin Elisabeths ein wahres Muss!Die Kaisertochter erzählt nicht nur von ihren eigenen kleinen und großen Nöten, sondern beschreibt auch ihr enges Verhältnis zur Mutter und deren fast erdrückende Liebe. Aber auch Marie Valérie als Person ist äußerst sympatisch. Aufgewachsen im Kaiserhaus verabscheut sie die Wiener Hofburg, wie ihre Mutter, und sehnt sich nach intimen Familientagen in der Kaiservilla in Bad Ischl. Gerne würde sie dem Vater sagen, wie gern sie ihn hat, aber man merkt deutlich, dass im Kaiserhaus mit Gefühlen nicht so offen umgegangen wurde, wie heute in Familien. Dies stellt ein Problem für die junge Marie Valérie dar. Schön ist auch zu lesen, wie sie den jungen Franz Salvator kennenlernt und nicht so recht weiß, ober es wirklich DER Richtige für sie ist. Zweifel und Angst mischen sich. Als sie sich nach langer Zeit für ihn entscheidet und überglücklich ist, wählt ihr Bruder Kronprinz Rudolf den Freitod.Die ganze Tragik des Kronprinzen wird dazu aufgerollt. Die Abneigung Valéries und Kaiserin Elisabeths gegenüber Kronprinz Rudolfs Frau Stephanie stellt das gesamte Verhältnis zu Rudolf auf eine schwere Probe. Deutlich wird auch in dem Tagebuch, dass die sensible Kaiserin nach der Hochzeit ihrer Tochter und nach dem Tod ihres Sohnes vollends dem Leben entsagt hat. Der Leser realisiert einen deutlichen Stimmungsumschwung. Kaiserin Elisabeth wird zeitlebens nie aus ihrer Trauer flüchten können und die Anzahl der Reisen steigt dramatisch an. Schade ist nur, dass Marie Valéries Tagebuch nur bis 1899 wiedergegeben wird und nicht bis zu ihrem Tod 1924, denn auch Valérie scheint mir eine sehr interessante Persönlichkeit zu sein.
Tagebuch als historische Quelle - Über die Veröffentlichung des Tagebuchs der Erzherzogin Marie Valerie war ich ziemlich enttäuscht. Wer die vielen Biographien von Kaiserin Elisabeth gelesen hat, wird kaum einen Tagebucheintrag finden, der noch nicht in einer Elisabeth-Biographie zitiert worden ist. Erschütternd fand ich die Beschreibung der Persönlichkeit des Kaisers Franz Joseph und verschiedener anderer Themen, mit welchen sich das junge Mädchen und die junge Frau Marie Valerie auseinandergesezt hat, die mir aus der heutigen Sicht als vollkommen irrelevant erscheinen. Wobei sich bei mir auch Zweifel ergeben haben an der Authentizität des Tagebuchs, da es sich hier ja nicht um die Veröffentlichung der Originaltexte der Marie Valerie, sondern nur um eine Abschrift und teilweise um die Zusammenfassung von Tagebucheintragungen aus zweiter Hand handelt. Wer kann sagen, ob da nicht wichtige, aussagekräftige Passagen einfach weggelassen worden sind.